Mit Kunst und Liebe

Der Töpfermarkt: Ein Ort zum Verlieben. Mann oder Frau hinter dem Stand: Künstler und Einzelkämpfer. Die Ware: Ein Symbol für das Schöne im Leben. In Römhild wurde es am Wochenende gehandelt.

Römhild – Töpfermärkte sind Sehnsuchtsorte. Menschen auf der Suche sammeln sich vor und hinter den Auslagen der Stände: Die einen im ständigen Mühen, ihrer Kunst, ihrer Kreativität, ihrer Spiritualität eine tönerne Form zu geben. Mit ihren Händen formen sie tausendfach ihre Idee des Schönen. Die anderen im ständigen Ringen zwischen dem sich gerade in etwas verliebt haben und den Möglichkeiten des Portemonnaies das Schönste unter all dem Schönen fürs eigene Zuhause zu finden. So war es am Samstag und Sonntag auf dem fünften Römhilder Keramikmarkt. Im Grunde aber sind Künstler und Käufer gleichermaßen begeistert vom Geheimnis des Tons und der jahrtausendealten Kunst, ihn zu formen. Es ist diese unerklärliche Beziehung zwischen Mensch und Erde, die Sehnsucht nach natürlicher Schönheit, die hier zu Markte getragen wird.

Vom Römhilder Markt begeistert: Töpfermeisterin Katrin Voigt aus Schkölen bei Eisenberg. Foto: lau

Vom Römhilder Markt begeistert: Töpfermeisterin Katrin Voigt aus Schkölen bei Eisenberg. Fotos: lau

Dutzende Sehnsuchtshändler hatten zum fünften Mal rund ums Römhilder Schloss ihre Waren ausgebreitet. Die Einheimischen Werkstätten Gramann, Weingarten oder Graßmann. Thüringer Keramiker wie Ulvhild Einsiedel aus Pößneck, Katrin Voigt aus Schkölen oder Reinhard Keitel aus Weimar – der Vorsitzende des Römhilder Keramikvereins. Oder Handwerker und Künstler von weiter her: Simone Beck aus Chemnitz, Christoph Schulz aus Querfurt, Katrin Otolski aus Woserin. „Wir haben bei der Auswahl der Teilnehmer viel Wert auf die Mischung gelegt“, sagt Keitel. Massenware suchte man in Römhild vergeblich. Vielmehr wollte der Verein, der den Markt zum zweiten Mal in Eigenregie organisierte, neben Handwerkern, auch Künstlern den Weg an die Gleichberge eröffnen. Das Ziel ist klar: Töpfermarkt können viele. Keramikmarkt – das kann nur Römhild.

1987 war Christoph Schulz zum ersten Mal in Römhild - als Teilnehmer des Keramiksymposiums. An diesem Wochenende war der Querfurter wieder dabei. Foto: lau

1987 war Christoph Schulz zum ersten Mal in Römhild – als Teilnehmer des Keramiksymposiums. An diesem Wochenende war der Querfurter wieder dabei.

Die Grenzen sind ohnehin fließend: Keramiker, Keramikmeister, Kunsthandwerker, Künstler – unterschiedliche Ausbildungswege vor und nach 1989 zeitigten für Mann oder Frau an der Töpferscheibe unterschiedliche Titel. Wer in seiner Ausbildung das Künstlerische betonte und in Burg Giebichenstein studierte, dem sieht man das einfach an: Die antik anmutenden Muster und Farben auf der Keramik von Christoph Schulz aus Querfurt etwa sprechen diese künstlerische Sprache. Seit 1980 hat er ein eigenes Atelier und wurde 1987 sogar zum Römhilder Symposium eingeladen. Seine Murmelschale ist noch im Römhilder Museum zu sehen.

Die Pößnecker Keramikerin Ulvhild Einsiedel war bislang an allen Römhilder Märkten beteiligt. Ihr Markenzeichen: blau-weiße Fayencetechnik.  Foto: lau

Die Pößnecker Keramikerin Ulvhild Einsiedel war bislang an allen Römhilder Märkten beteiligt. Ihr Markenzeichen: blau-weiße Fayencetechnik.

Mehr als Werkstatt-„Arbeiterin“ sieht sich dagegen Ulvhild Einsiedel. Auch die Pößneckerin hat sich bereits zu DDR-Zeiten selbstständig gemacht. Sie bevorzugt Fayence-Technik: Blaue Farben werden auf die pulverbeschichteten Gefäße gemalt und dann gebrannt. Zu DDR-Zeiten hat sie das „ofenwarm“ verkaufen können, sagt sie. Heute ist das freilich anders. Aber das geht jedem so auf dem Markt. Töpfern ist das eine. Verkaufen das andere. Der Kunsthandwerker muss beides beherrschen. Denn die relativ teure Keramik kaufen ausschließlich Liebhaber. Und die werden auch auf Märkten wie in Römhild gemacht. Beim Schlendern kann man sich nämlich mühelos verlieben – in die schönen Dinge des Lebens. Und der Römhilder Markt bietet vor allem eines: Qualität. Genau das ist es aber, das den Ruf der Stadt als Mekka der Keramik neu beleben kann.


Von Peter Lauterbach

Quelle:
insuedthueringen

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