Wenn Keramik verbindet

Bereits zum zweiten Mal lud die tönerne Zunft zu einem Handwerksmarkt in die markante Kulisse der Römhilder Glücksburg.

RömhildKeramik verbindet, zumindest in der kleinen Grabfeldstadt Römhild. Da kann es schon einmal passieren, dass sich plötzlich nach Jahrzehnten zwei alte Bekannte der tönernen Zunft gegenüberstehen, deren Lebenswege sich irgendwann in der Töpferstadt am Fuße der Gleichberge kreuzten. Fatima und Doris können so eine Geschichte erzählen.

Doris König und Fatima sahen sich nach 26 zum ersten Mal wieder. 1984 hatte die damals 18-jährige Fatima a für 6 Monate im Römhilder Töpferhof gelernt. Foto: Winkel

Doris König und Fatima sahen sich nach 26 zum ersten Mal wieder. 1984 hatte die damals 18-jährige Fatima a für 6 Monate im Römhilder Töpferhof gelernt. Foto: Winkel

1984 drehten die Keramikerin aus dem Grabfeld und die Auszubildende aus dem afrikanischen Inselstaat São Tomé und Príncipe für sechs Monate gemeinsam im Römhilder Töpferhof Gramann. 26 Jahre später, bei schönstem Spätsommerwetter und natürlich umgeben von Vasen, Tellern, Tassen in allen nur denkbaren Formen und Glasuren, trafen sich die Arbeitskolleginnen von einst am Samstag beim zweiten Keramikmarkt auf Schloss Glücksburg wieder.

Schnatternde Marktfrauen

Während Fatima, mittlerweile in den 40ern, aber nicht minder strahlend fröhlich als damals, einen neugierigen Blick auf die rote Gramannsche “Liebesrausch”-Kollektion warf, kam einige Stände weiter im vorderen Schlosshof Töpfermeister Andreas Leonhardt aus Plauen mächtig ins Schwitzen. Er bedient sich der in Deutschland selten zu bewundernden Technik des Raku – einer Keramik-Disziplin, die im Japan des 16. Jahrhunderts entstand. “Mich hat die Technik gereizt, bei der man den Zufall als gestalterisches Mittel in Kauf nimmt”, erklärt der Keramiker und verweist begeistert auf das Glasurergebnis mit der charakteristischen netzartigen Oberflächenstruktur. Mit Römhild hat Leonhardt natürlich schon vor langer Zeit Bekanntschaft gemacht, 1985 um genau zu sein, als er hier einen Teil seiner Meisterprüfung absolvierte. Und wieder sind es nur ein paar Schritte weiter bis die traditionsreiche Keramikvergangenheit des Ortes das nächste Mal aufblitzt. An einem Stand mit eleganten Tongefäßen aus Jena ist der Name Ulli Wittich-Grokurth zu lesen. Es sind die Werke von einem der Urgesteine der Römhilder Keramiksymposien. 1975 bei der aller ersten Auflage des international renommierten Künstlertreffens erlebte die temperamentvolle Tonkünstlerin eine wahre “Explosion des schöpferischen Prozesses”, wie sie sich am Freitagabend bei der Vernissage zur Retrospektive “Aufstieg, Fall und Neubeginn – 35 Jahre Internationale Keramiksymposien Römhild”erinnerte. Tatsächlich findet sich auch eines ihrer Arbeiten von damals, die Taubensäule, in der Ausstellung im ehemaligen Rittersaal wieder.

Doch es gab noch sehr viel mehr zwischen den alten Schlossmauern zu entdecken. Einfach dem Geruch des Mutzfleisch hinterher und weiter dem augenzwinkernd schrulligen “Duo Liedfass” gefolgt, schon landete man im Durchgang bei der “Aronia-Frau” Birgit Schuchardt. Deren Gewand wirkte ebenso einem Märchenfilm entsprungen wie das ihrer Standnachbarin mit der frischen Ziegenmilch. Eifrig schnatterten die beiden Marktfrauen und ließen sich dabei keineswegs vom typisch wuseligen Markttreiben um sie herum aus der Ruhe bringen.

Gestärkt mit Aroniabeeren und Ziegenmilch fiel es gleich ein wenig leichter, konzentriert die schwierige Wahl zwischen tönernen Sternzeichenblatt, Vogelhäuschen oder doch vielleicht doch der Keramik-Sonnenuhr zu treffen. Allerdings “drohte” sicher schon um die nächste Ecke wieder Ablenkung, denn bekanntlich wimmelt es auf Römhilder Keramikmärkten ja von guten alten Bekannten aus der tönernen Zunft. Das nächste große Wiedersehen Ton in Ton findet übrigens am 20. und 21. August 2011 auf Schloss Glücksburg statt – ein Datum, dass sich Keramik- wie Marktfreunde schon einmal fest vormerken sollten.

Quelle:
insuedthueringen

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