Töpfer-Tradition im Grabfeld

Zum sechsten Mal fand ein Tag der offenen Töpferei, und das in ganz Deutschland, statt. Aus der Region um Römhild beteiligten sich vier Meister dieser alten Handwerkskunst.

Grabfeld – Kindheitserinnerungen sind es meist, die Besucher an einem solchen Wochenende in die geöffneten Werkstätten der Töpferinnung führen. Haben doch die meisten von ihnen als Kind einmal etwas aus Plastelin geformt. Und in der Wohnung der Oma waren die Weihnachtsplätzchen oder die süße Sahne nicht in Emaille- sondern in Tongefäßen aufbewahrt.

Das Ziel von Wandertagen von Schulkindern der Region waren neben der Schillergedenkstätte in Bauerbach oft der Töpferhof Gramann in Römhild. Produkte aus dieser Werkstatt, die es schon seit dem Jahr 1720 als Familienbetrieb gibt, waren mindestens ebenso begehrt wie Nussknacker aus dem Erzgebirge und Dresdner Christstollen. Und oft das einzige, womit man sich bei der „Westverwandtschaft“ für deren Geschenke bedanken konnte.

Schauwerkstatt etabliert

Die Zeiten haben sich geändert. Seit 1990 der Markt mit Billigware aus der Industrie überschwemmt wurde, erlebten die Töpfer einen Einbruch, wie viele Kollegen aus der Glas- oder Porzellanindustrie. Doch zum Glück haben nicht alle aufgegeben, haben sich immer wieder Neues einfallen lassen, um ihrem Berufsstand eine Überlebenschance zu ermöglichen. Markus Weingarten ist einer von ihnen, der seine Werkstatt in Römhild das ganze Jahr über als „Schauwerkstatt“ deklariert, also ständig für Besucher öffnet, nicht nur an einem solchen „Tag der offenen Töpferei“ wie an diesem Wochenende.

Im traditionsreichen Töpferhof Gramann in Römhild versuchten sich diese Kinder aus Untermaßfeld am Formen des Werkstoffes Ton. Foto: W. Swietek

Im traditionsreichen Töpferhof Gramann in Römhild versuchten sich diese Kinder aus Untermaßfeld am Formen des Werkstoffes Ton. Foto: W. Swietek

„Wenn man jedes Mal dabei war, will man bei der sechsten Auflage, die es ja nun schon gibt, nicht wieder das Gleiche anbieten wie in den Jahren zuvor“, sagt Markus Weingarten. Und so hat er sich in diesem Jahr eine „Töpfer-Olympiade“ einfallen lassen. Jeder Besucher, der sich daran beteiligen wollte, bekam für eine Startgebühr von zwei Euro einen Klumpen Ton und durfte sich damit an die Drehscheibe des Töpfermeisters setzen. Wer aus diesen genau 500 Gramm Ton die höchste Vase dreht, durfte sich als Sieger dieser Olympiade ein schönes Stück aus der Hand des Meisters aussuchen. Die Einnahmen spendete Weingarten zudem der Stiftskirche Römhild für deren weitere Sanierung. Ivonne Seeber aus Sülzdorf war gleich am Samstagmorgen die erste Teilnehmerin dieser Olympiade der besonderen Art.

Interessiert beobachteten das Geschehen die Besucher mit der wohl weitesten Anreise – Lara und Scott Murcin, die gebürtigen US-Amerikaner, die derzeit in Schweinfurt leben, waren mit ihren beiden Kindern extra ins thüringische Grabfeld gekommen, weil sie von diesem Töpfertag gelesen hatten. „Ich habe schon zu Hause in den USA viele Töpferwaren aus verschiedenen Regionen gesammelt“, sagt Lara Murcin, „und auch in Holland, wo wir einige Jahre lebten, habe ich schöne Stücke aus Ton erwerben können.“ Keramik aus Thüringen fehlte bisher in ihrer Sammlung, und so war für sie der Töpfertag willkommener Anlass, diese Lücke zu schließen.

Zum ersten Mal an dieser Aktion der Töpferinnung beteiligte sich Simone Graßmann aus Sülzdorf. Im Haus ihrer Großeltern hat sich die gelernte Töpferin erst vor einigen Jahren eine eigene Werkstatt eingerichtet. Zweimal hatte sie diese zwar auch schon für die Besucher geöffnet, doch das war zum Tag des offenen Denkmals, und da seien die Besucher vor allem gekommen, um sich anzuschauen, wie sie die Gefache des alten Hauses sachgerecht mit Lehm restauriert hatte. Diesmal nun stand ihre Keramik im Mittelpunkt.

Und auch da hat sie „ihre eigene Nische“ gefunden, wie sie sagt. Denn nicht nur dieses traditionsreiche alte Handwerk dürfe nicht aussterben, sondern auch der Dialekt, mit dem sie aufgewachsen ist. Und so schreibt sie vieles auf ihre kleinen Kunstwerke und lässt die Besucher von außerhalb raten, ob sie es deuten können. Da steht – statt des üblichen „Komme gleich wieder“ – auf einem Schildchen aus Ton: „Bin bei die Nochbere – ’s ko gedauer“. Oder auf einem Eierbecher: “ ‚S is noch e Ä ü“, zu deutsch: Es ist noch ein Ei übrig.

Schon immer mit dabei bei den Töpfertagen ist Ingo Müller. Wer große Gartenkeramik liebt, ist bei ihm in seiner Werkstatt „Im scharfen Wind“ in Haina gut aufgehoben. Dass er neben den oft zentnerschweren Stücken auch filigrane kleine Figuren fertigt, derzeit sind es Osterhäschen und Kücken, begeisterte alle, die Liebe zum Detail haben.

Im Aufwind ist der Römhilder Töpferhof Gramann. Auch wenn von den einst 450 Mitarbeitern in DDR-Zeiten nur zehn übrig sind – die „Gute-Laune-Keramik“ mit den leuchtenden Farben, die jetzt produziert wird, gewinnt immer neue Freunde. Auf Messen wird an alte Kontakte angeknüpft – sichert den Fortbestand der Firma.

Von Wolfgang Swietek

Quelle:
insuedthueringen

Tags:,

Trackback von deiner Website.

Kommentieren

Zum kommentieren bitte einloggen.