Keramik-Symposium: Rückschau mit Blick voraus

Seit 35 Jahren trifft sich die internationale Keramiker-Szene in der Töpferstadt Römhild zu Symposien. Das Museum Schloss „Glücksburg“ präsentiert ab Samstag eine Auswahl der entstandenen Werke.

Römhild – Noch stehen Bacchus und seine Bacchantin ein wenig unbeholfen zwischen den Kartons und Wolldecken, in denen sie erst kürzlich ihre Rückreise von Schloss Wiligrad am Schweriner See in ihr Heimat-Schloss „Glücksburg“ antraten. Beim ersten internationalen Keramiksymposium in der Gleichbergstadt hatte der Keramikkünstler Horst Skorupa die 60 Zentimeter hohen Büsten im damaligen VEB Töpferhof geformt.

Nun – 35 Jahre später – werden der Weingott und seine Begleiterin erneut die Blicke auf sich ziehen. Gemeinsam mit rund 200 anderen Objekten erinnern Skorupas Werke in der Sonderausstellung „Aufstieg, Fall und Neubeginn“ an die wechselvolle Tradition der Künstlertreffen im Grabfeld. Doch bis zur Vernissage am Freitagabend alle modellierten, gebauten, gedrehten, verformten oder montierten Exponate wirkungsvoll in Szene gesetzt sind, liegt noch viel Arbeit vor Museumsleiterin Kerstin Schneider und ihren Mitstreitern.

Museumsleiterin Kerstin Schneider und der Grafiker Dietrich Ziebart aus Meiningen sind derzeit dabei, für jedes Exponat den optimalen Platz in den Ausstellungsräumen von Schloss Glücksburg zu finden. Foto: Susann Winkel

Museumsleiterin Kerstin Schneider und der Grafiker Dietrich Ziebart aus Meiningen sind derzeit dabei, für jedes Exponat den optimalen Platz in den Ausstellungsräumen von Schloss Glücksburg zu finden. Foto: Susann Winkel

Eine Arbeit, die sich durch das gesamte Schloss und die Außenanlage zieht. Genauer gesagt vom ersten Obergeschoss hinunter in den Rittersaal und die kleine Eingangshalle bis hinaus in den Keramikgarten im Seitenhof der „Glücksburg“. Dort, im angestammten Areal der großen Keramikplastiken, wird auch das mehrteilige Objekt „Nägel“ seinen Platz finden. Ebenso wie vier weitere Werke werden sie mehr als nur ein frischer Ersatz für jene Stücke sein, die bislang im Außenbereich zu sehen waren und erst mal in die Abgeschiedenheit des Depots wandern. Der neu gestaltete Keramikgarten ist vielmehr Teil der kunsthistorischen Aufarbeitung der vergangenen acht Symposien in einer Ausstellung, die längst überfällig war, wie Kerstin Schneider betont.

Neues Ausstellungskonzept

Entstanden war die Idee zur Retrospektive im vergangenen Frühling, als die Ergebnisse des letzten Symposiums mit dem symbolträchtigen Titel „Phoenix aus der Asche“ in einer Sonderausstellung präsentiert wurden. Einerseits würdigte die Schau die Wiederbelebung der Tradition nach 15 Jahren Stillstand, andererseits setzte sie eine künstlerische Wegmarke in der dreijährigen Wartefrist bis zur nächsten Auflage der Symposien im Jahr 2011.

Für die große Retrospektive wurde ein völlig neues Ausstellungskonzept entwickelt. Vorbei sind die Zeiten, als sich Vitrine um Vitrine streng mit kleinen Keramikexponaten im Rittersaal aneinander reihte. Stattdessen sorgen weiße Podeste und Sockel für eine lockere Anordnung von Objekten unterschiedlichster Größe und erlauben dem Betrachter eine Musterung von allen Seiten.

Fleißig mitgewirkt am neuen freien Eindruck des Raumes haben auch die Mitarbeiter des Römhilder Bauhofes. Noch bis vor wenigen Tagen waren sie mit Malerarbeiten beschäftigt, während Töpfermeister Markus Weingarten und Keramikerin Simone Graßmann aus Sülzdorf bis zur Eröffnung noch kleine Blessuren an den Exponaten beheben. Als Helfer gefragt sind jedoch auch die anderen Mitglieder des Fördervereins Internationales Keramiksymposium Römhild e.V., ist doch manches Ausstellungsstück nur mit vereinter Muskelkraft oder gar der Sackkarre zu bewegen.

Wo die Werke letztlich am besten wirken – ob „schwebend“ über dem Boden auf einem Podest, gruppiert auf Sockeln, beleuchtet in den wenigen verbliebenen Vitrinen oder exponiert in einer der geräumigen Wandnischen – daran tüfteln derzeit Museumsleiterin Kerstin Schneider und der Grafiker Dietrich Ziebart aus Meiningen. Während ihnen die praktische Umsetzung der Retrospektive obliegt, hat Kurator Hans-Peter Jakobson nach umfassenden Archivrecherchen einen aufschlussreichen Katalog über die Ausstellung und die in ihr aufgearbeitete Geschichte der Römhilder Symposien erstellt.

Deren nächstes Kapitel hat übrigens schon begonnen, treffen doch derzeit bereits zahlreiche Bewerbungen für das nunmehr IX. Internationale Keramiksymposium, „Pantha Rhei – alles fließt“, ein, das der Gleichbergstadt im Spätsommer 2011 erneut vier turbulente Wochen im Zeichen der Keramik bescheren wird. Gerade im Hinblick auf dieses nächste Symposium sei die Sonderausstellung „Aufstieg, Fall und Neubeginn“ sehr wichtig, sind sich Schneider und Ziebart einig.

Keramikmarkt lädt ein

Aber auch der Keramikmarkt, der im August 2009 erstmals mit großer Besucherresonanz in der „Glücksburg“ stattfand, soll Römhild und seine enge Verbindung zur Keramik zwischen den Symposien in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken.

Am nächsten Wochenende ist es nun wieder soweit, etwa 60 Aussteller aus ganz Deutschland werden für zwei Tage ihr Töpferhandwerk vorführen und laden gleichermaßen zum Schauen und Kaufen ein. Mit von der Partie sind natürlich auch die beiden Römhilder Werkstätten, der Töpferhof Gramann und die Schautöpferei Weingarten, die neben ihren Marktständen auch die Werkstätten am Samstag und Sonntag für Besucher öffnen.

Von Susann Winkel

Quelle
insuedthueringen

Tags:,

Trackback von deiner Website.

Kommentieren

Zum kommentieren bitte einloggen.