Ein guter Ton ist Goldes wert

Am deutschlandweiten „Tag der offenen Töpferei“ beteiligten sich auch vier Töpfereien aus dem Landkreis Hildburghausen. Der Zuspruch war groß.

Römhild / Haina / Sülzdorf – „Der Ton macht die Musik“ sagt der Volksmund. Und meint damit vorrangig die Musik, im übertragenen Sinn auch das gute Benehmen. Bei den Töpfern jedoch – oder besser bei den Keramikern, wie sie lieber genannt werden wollen – ist dies durchaus wörtlich gemeint. Denn alles hängt von einem guten Ton, diesem lehmigen Werkstoff, ab, aus dem sie ihre kleinen Kunstwerke schaffen.

Am 8. Tag der offenen Töpferei beteiligte sich auch Ingo Müller mit seiner "Töpferei im scharfen Wind" Haina. Foto: W. Swietek

Am 8. Tag der offenen Töpferei beteiligte sich auch Ingo Müller mit seiner „Töpferei im scharfen Wind“ Haina. Foto: W. Swietek

Auch das ist schon wieder nicht ganz korrekt, denn sie unterscheiden – im Gegensatz zu uns Laien – zwischen Ton und Lehm. Wer den Unterschied wissen wollte, oder weitere Fragen hatte, für den gab es am Wochenende reichlich Gelegenheit, sein Wissen zu vervollständigen. Bereits zum achten Mal gab es diesen Tag der offenen Töpferei, und das deutschlandweit. Wobei den Keramikern aus Thüringen eine gewisse Vorreiterrolle zukommt, wie Ingo Müller von der „Töpferei im scharfen Wind“ in Haina nicht ohne Stolz erzählt. Die Thüringer Keramiker waren es wohl, die diesen Tag protegiert und zum Erfolg geführt haben.

Auf den Ton kommt es an

Auch die Frage nach dem Ton und Lehm beantwortet er seinen Besuchern geduldig. „Lehm ist etwas feiner, es ist ein aufgeschwemmter Ton, der meist für die Glasur verwendet wird“, weiß der Töpfer, der seine Stücke zweimal brennt. Zunächst das Werkstück gleich nach seiner Herstellung, und dann noch einmal nach dem Glasieren. Und das bei 1200 Grad Celsius. Die Glasur trägt er erst auf, wenn er weiß, welche Farbe der Kunde wünscht. „Jedes Stück in allen Farben auf Vorrat zu haben, dafür reicht mein Lager nicht aus“, sagt er zur Erklärung.

Da macht das Frühstück gleich gute Laune: Küchengeschirr in fröhlichen bunten Farben zeigte Keramikerin Simone Graßmann aus Sülzdorf.  Foto:  W. Swietek

Da macht das Frühstück gleich gute Laune: Küchengeschirr in fröhlichen bunten Farben zeigte Keramikerin Simone Graßmann aus Sülzdorf. Foto: W. Swietek

Auch bei Simone Graßmann von „GestaltungsART Keramik & mehr“ in Sülzdorf, die sich zum dritten Mal am Tag der offenen Töpferei beteiligt, haben sich etliche Interessenten eingefunden, Voller Stolz präsentiert sie zwei Stücke, die sie inzwischen ganz offiziell als Keltenkeramik anbieten darf. Dr. Seidel vom Steinsburgmuseum Römhild hatte die Arbeiten mit nach Weimar genommen und dort die Bestätigung dafür erhalten, dass diese den Originalen sehr gut nachempfunden worden sind. In fröhlichen bunten Farben leuchtet indes ihr Küchengeschirr. Da die Künstlerin eine Verbindung zwischen dem alten Handwerk und dem regionalen Dialekt sieht – beides will sie vor dem Aussterben bewahren – finden sich auf ihren Eierbechern oder Tassen, Tellern oder Schalen lustige Sprüche, teils in Mundart. „Der frühe Vogel kann mich mal …“ steht da auf einer Tasse, oder statt des sonst üblichen Hinweises „Komme gleich wieder“ auf einem Schild, das man an die Türe hängen kann: „Bin bei die Nochbere, s’ko gedauer …“ Auch für Kindergeburtstage öffnet sie ihr Atelier, die Kinder können dann statt Computerspielen sich selbst etwas töpfern.

Töpfer-Olympiade

Die Klinke in die Hand geben sich die Besucher auch in der Töpferei Markus Weingarten in Römhild. Jutta und Peter Fischer aus Coburg haben den Termin aus der Neuen Presse erfahren und sind so nach Römhild gekommen. Zum dritten Mal führt Markus Weingarten an diesem Wochenende seine Töpferolympiade durch. Die Spielregeln sind einfach – jeder kann sich für einen symbolischen Preis von zwei Euro selbst an die Töpferscheibe setzen. Das beste Stück, das dabei entsteht, wird prämiert. Die eingenommenen Startgelder kommen einem sozialen Zweck zugute. Im vorigen Jahr erhielt der Kindergarten 200 Euro, in diesem Jahr kann sich die Stiftskirche Römhild über 130 Euro freuen. Die weiteste Anreise aller „Olympiateilnehmer“ hatte sicher Richard Pfaff aus Hanau (Hessen).

Tina Hebenstreit (links) aus Hildburghausen hatte den Mut, sich selbst an die Töpferscheibe zu setzen, Anleitung gibt ihr die Keramikerin Ramona Grimm. Foto: W. Swietek

Tina Hebenstreit (links) aus Hildburghausen hatte den Mut, sich selbst an die Töpferscheibe zu setzen, Anleitung gibt ihr die Keramikerin Ramona Grimm. Foto: W. Swietek

Eine Nummer größer als die Einmann-Betriebe in Römhild, Haina und Sülzdorf ist die Töpferhof Gramann GmbH Römhild. Gegen die wie Puppenstuben wirkenden Ateliers der Kollegen wird hier von mehreren Angestellten das tönerne Geschirr in großen Serien gefertigt. Doch auch hier sitzen die Keramiker wie zu alten Zeiten an der Töpferscheibe, das traditionelle Handwerk ist auch hier nicht der Industrie gewichen. Unter den geschickten Händen von Keramikerin Ramona Grimm entstehen an beiden Tagen des Wochenendes vor den bewundernden Blicken der Besucher Vase um Vase, Krug um Krug. Immer wieder mit der Bitte, es doch selbst einmal zu versuchen.

Übung macht den Meister

Tina Hebenstreit aus Hildburghausen ist eine der Mutigen, die sich an die Töpferscheibe setzen. Viele Jahre ist es her, dass sie als Kind schon einmal Gelegenheit dazu hatte, sich in den Grundzügen des Töpferns zu probieren, wie sie erzählt. Fragen über Fragen der Besucher muss Keramikerin Ramona Grimm beantworten, während sie das nächste Stück Ton auf die Scheibe legt und zu drehen beginnt. Es sei ein vielseitiger Beruf, in dem hier im Töpferhof auch wieder ausgebildet wird. Neben der künstlerischen Betätigung sei es auch von Vorteil, Sprachen wie Englisch oder Französisch zu beherrschen, da der Töpferhof mit seinen Produkten auf internationalen Messen in Frankfurt am Main, Salzburg und Mailand, Leipzig, München und Hamburg ausstellt. Und dort werde dann meist englisch gesprochen.

Von Wolfgang Swietek

Quelle:
insuedthueringen

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